LOUIS ROEDERER IM GESPRÄCH MIT MASTER SOMMELIER HENDRIK THOMA:

„In schlechten Zeiten sollte man erst recht genießen – am besten Champagner“





Weltweit gibt es nur knapp 100 Master Sommeliers. Hendrik Thoma, 35, ist einer davon, mithin einer der herausragendsten Weinexperten Deutschlands. Seit 1995 ist Thoma Chef - Sommelier im „Jacobs Restaurant“ des renommierten Hotel Louis C. Jacob an der Elbchaussee in Hamburg. Aber nicht nur dort ist sein Rat gefragt. Hendrik Thoma ist auch „Fernseh - Sommelier“ beim „Kochduell“ (Vox), Autor für Publikationen wie „Bild“, „Welt am Sonntag“ und „Playboy“ sowie Berater für Wein - Investmentfonds. Beste Voraussetzungen also für ein prickelndes Gespräch ...

Beeinflusst die neue deutsche Bescheidenheit auch den Champagner-Konsum?

Thoma: Der Begriff Bescheidenheit passt nach meinem Verständnis nicht zu Champagner. Aber eine gewisse Verhaltenheit ist schon zu spüren.

Wie macht sich die bemerkbar?

Thoma: Die Leute bestellen öfter glasweise als eine ganze Flasche. Hinzu kommt, dass der Champagner in Deutschland ein ganz falsches Image hat. Er wird in erster Linie als Aperitif gesehen, eignet sich aber ganz hervorragend als Begleiter durch das ganze Menü. Ich versuche bei meiner Beratung zu erreichen, dass die Gäste nicht nur ein Glas als Aperitif trinken, sondern eine Flasche bestellten und so auch noch bei der Vorspeise beim Champagner bleiben. Schließlich ist es mein Job, die Leute zu ermuntern, mehr und besser zu trinken.

Welchen Stellenwert hat Champagner für Sie als Sommelier?

Thoma: Spitzen-Champagner sind so exklusiv wie Spitzen-Weine. Deshalb sind die Champagner bei
mir in der Karte unter den Weißweinen zu finden. Denn Champagner muss meiner Ansicht nach mehr mit Wein konkurrieren, als mit Sekt oder Prosecco.

Was zeichnet Champagner als Getränk zum Essen aus?

Thoma:
Champagner ist ein sehr eloquentes Getränk, das zu jeder Speise passt. Er polarisiert nicht so stark, wie es zum Beispiel ein schwerer, körperreicher Wein tut, weil er sich nicht so stark in den Vordergrund spielt. Deshalb ist Champagner eine hervorragende Alternative, die ich immer empfehle.

Dennoch gelten die Deutschen als Weintrinker.

Thoma: Im Bewusstsein der Leute gehört Wein zum Essen. Champagner gibt es nur zu besonderen Anlässen. Diese eingefahrenen Trinkgewohnheiten versuche ich zu ändern, wo immer ich Einfluss habe. In Frankreich zum Beispiel werden keine Unterschiede gemacht. Dort gehört Champagner – neben einem besonderen Anlass – selbstverständlich zum Essen.

Als eines der wenigen Spitzen-Restaurants Deutschlands bietet das „Jacobs Restaurant“ Roederer-Champagner im offenen Ausschank an ...

Thoma: ... und das mit großem Erfolg. Wir werden am Ende des Jahres rund 2.400 Flaschen Brut Premier, 700 Flaschen Cristal verkauft haben und fast 1.000 Flaschen eines erstklassigen Champagner Rosé. Als Aperitif wird bei uns zu zwei Drittel Champagner bestellt. Das liegt natürlich auch daran, dass wir eine runde Auswahl an unterschiedlichen Varianten des Champagners anbieten.

Was unterscheidet Roederer von anderen Champagner Sorten?

Thoma: Er ist ausgeprägter in Aroma und im Geschmack, und er verbessert sich an der Luft nach dem Öffnen. Während bei vielen anderen Cuvées nach ein- bis eineinhalb Jahren Schluss ist, kann bei Roederer auch der Brut Premier problemlos gelagert werden, wobei er auch noch an Qualität gewinnt – besonders in Magnumflaschen.

Was ist Ihr Lieblings-Champagner?

Thoma: Unter den weißen Champagnern bevorzuge ich – neben einigen anderen Prestige Cuvées – Roederer Cristal, wobei ich drei Jahrgänge favorisiere: Der 90er ist dicht, komplex und grandios, der 79er ist ein fabelhaft gereifter Champagner, und der 96er wird sich phantastisch entwickeln.

Zu welchen Anlässen trinken Sie ihn?

Thoma: Am liebsten ohne Anlass. Ich finde, das sollten alle so halten, die gerne Champagner genießen – gerade in schlechten Zeiten. Dann geht es ihnen gleich besser.




Abdruck honorarfrei
Fotonachweis: Louis Roederer
2 Belege erbeten


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